Mona ist in ihren 60ern und hat ihre Tochter verloren. Sie wohnt im Raum Zürich.

1980 wurde ich mit gerade mal 19 Jahren Mutter von meiner Tochter, die ich im Waldspital in Berlin nach der sanften Methode nach Leboyer gebar. Auch das „rooming in“, auf dem ich bestand, war damals noch die Ausnahme.

Ich gab mir viel Mühe meiner Tochter alles zu ihrem Wohle zu geben und ihr den Vater zu ersetzen, der uns schon bald verlassen hat. Das war in meinem jungen Alter nicht einfach, zumal ich mit meinen Eltern keine unkomplizierte Beziehung hatte.

Die ersten sechs Jahre lebten wir in Berlin Kreuzberg und danach lernte ich meinen damaligen Mann kennen und wir zogen in die Schweiz. Meine Tochter bedeutete mir sehr viel, sie war mit der Zeit fast wie eine gute Freundin. Wir hatten beide in unserem Leben psychische Krisen, von denen wir uns aber jeweils gut erholten. Leider ist dann aber ihre letzte langjährige Partnerschaft zerbrochen, worunter sie sehr litt.

Nachdem sie ihr Studium zur Sozialpädagogin abgeschlossen hatte, reiste sie mit einer Freundin durch Malaysia. Nach ihrer Rückkehr kam sie erneut in eine schwere Psychose und ich versuchte verzweifelt ihr zu helfen. Ich besuchte eine Angehörigengruppe (VASK), fragte einen Psychiater um Rat und suchte immer wieder das Gespräch mit meiner Tochter. Ich konnte sie jedoch in dieser Zeit nicht mehr erreichen, und so ging es auch ihren Freunden und ihrem Stiefvater, die ich ebenfalls kontaktierte.

Leider beendete meine Tochter schliesslich ihr Leben und ich fand sie gemeinsam mit meinem damaligen Partner leblos in ihrer Wohnung auf. Ich war gleichzeitig schockiert, traurig und wütend. Hatte meine Tochter mir kurz davor doch zugesichert diesen Schritt nicht zu tun.

Ich habe schnell alle Angehörigen angerufen und viel darüber gesprochen. Ich empfand starke Schuldgefühle und suchte nun auch therapeutische und seelsorgerisch-spirituelle Unterstützung. Zum Teil fand ich dort auch Antworten, war aber noch längere Zeit in einem Schockzustand. Nach einem Jahr besuchte ich die geleitete Selbsthilfegruppe Refugium mit anderen „Survivors“, was mir eine gute Unterstützung bei der Verarbeitung des Verlustes meiner geliebten Tochter bot. Bis heute habe ich von Zeit zu Zeit mit zwei Müttern aus dieser Gruppe Kontakt.

Ich machte mir viele Gedanken zur Beziehung zu meiner Tochter und bereute auch einige meiner damaligen Entscheidungen, habe mir aber schlussendlich doch versucht diese zu vergeben. Ich nahm mir nur zwei Wochen Zeit um die wichtigsten Dinge zu erledigen und begann dann wieder in meinem Job als Nanny zu arbeiten, was mir viel Trost spendete. Die direkte und authentische Art des kleinen Mädchens tat mir gut. Wohingegen viele andere nicht mit dem tragischen Geschehen umgehen konnten und mir auswichen.

Bei der Gestaltung der Beisetzung bekam ich viel praktische Hilfe, die Abschiedsrede hielt ein dafür gut qualifizierter Bekannter, der schnell einwilligte dies zu machen. Andere brachten mir etwas zu essen, Blumen oder trösteten durch wortlose Umarmung. Ich fand auch etwas Trost in der Natur, beim Baden oder Singen in Gruppen. Der Schmerz hat mit der Zeit etwas nachgelassen, aber Feiertage wie der Muttertag und Weihnachten sind immer noch recht schwierig für mich zu bewältigen.

Ich finde es wichtig Suizidversuche oder Ankündigungen ernst zu nehmen und konkrete Hilfe anzubieten, aber sich auch bewusst zu sein, dass schlussendlich die Verantwortung für sein Leben bei jedem selber liegt. Der Trauerprozess ist sehr individuell und kann verschieden lange dauern, aber es gibt viele gute Möglichkeiten, die einem dabei helfen können.

Im Laufe meines herausfordernden Lebens habe ich einen grossen Erfahrungsschatz gesammelt und einen eigenen spirituellen Zugang zum Lebensgeschehen entwickelt, über den ich gerne auch mit anderen spreche falls erwünscht. Ich freue mich, wenn Sie sich durch meine Worte angesprochen fühlen und Kontakt aufnehmen. Gemeinsam lässt sich vieles besser verstehen, ertragen und auch verarbeiten.