
Celia ist in ihren 20ern und hat im 2017 ihren Vater verloren. Sie wohnt im Raum Zürich und Liechtenstein.
Ich habe meinen Papa im Sommer 2017 durch Suizid verloren. Er war für mich eine sehr wichtige Bezugsperson, schien mich oft zu verstehen, wenn es sonst niemand tat.
Er war nach aussen hin immer ein harmoniebedürftiger Mensch, der auch sehr emotional reagieren konnte, aber alles in allem nach aussen hin scheinbar gesund war. Durch einen intensiven aber eher kurzweiligen Kampf gegen seine Depression, nahm er sich schliesslich das Leben. Ich weiss noch genau, wo ich war als ich den Anruf von meiner Mutter erhielt. Ich war gerade einkaufen und fast zu Hause, als meine Mutter mich anrief. Bereits als ich auf dem Handy den Anruf sah, ahnte ich nichts Gutes. Nach der Schockstarre, wobei wir durch ein Kriseninterventionsteam aufgefangen wurden, kam die Trauer und die dazugehörigen Sinnfragen. Ich war zerrissen zwischen Wut, Trauer, Schmerz und den grossen Fragen was ich hätte tun können, um es zu verhindern. Diese Fragen lassen mich bis heute nicht los und die verschiedenen Gefühle, die damit verbunden sind, begleiten mich immer wieder.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich mein Studium abgebrochen und ich zog wieder zu Hause ein. Damals war ich vor allem sehr traurig, alles erinnerte mich an Papa. Auch viele meiner Freundschaften gingen langsam in die Brüche, da meine Peers andere Interessen hatten als ich, deren Welt Kopf stand. Schliesslich bekam ich vor allem Halt innerhalb der Familie, durch meine Schwester und meinen Bruder. Niemand versteht dich so gut, wie jemand der gerade das gleiche durchmacht. Aus diesem Grund ging ich auch in die Selbsthilfegruppe Nebelmeer, was mir sehr geholfen hat, die Leidensgenoss*innen haben mir viel Kraft gegeben.
Heute 8 Jahre später begleitet mich täglich die Frage, was mich glücklich macht, denn ich bin mir der Endlichkeit des Lebens sehr bewusst. Besonders nach Papas Tod interessiere ich mich sehr für psychische Gesundheit und der Entstigmatisierung derer und insbesondere für die Enttabuisierung des Suizids. Denn Suizid ist nach wie vor ein Tabuthema in der Gesellschaft, das sich nicht zuletzt an veralteten Begriffen zeigt, oder an Reaktionen aus dem nahen und entfernten Umfeld. Diese Tabuisierung macht den Trauerprozess nach einem Verlust noch schwieriger für Angehörige, weshalb ich als Peer anderen beiseite stehen möchte.
