Unterstützung für Trauernde

Auch wenn Survivors (Hinterbliebene nach einem Suizid) Freunde haben, die sie eigentlich sehr gut kennen, werden ihre neuen Bedürfnisse unter Umständen kaum verstanden, weil für alle Beteiligten die Reaktion auf einen traumatisierenden Verlust etwas Unbekanntes ist. Die Offenheit gegenüber anderen ist die wichtigste Bewältigungsstrategie nach einem schweren Verlust, da dadurch die Unterstützung durch das Umfeld mobilisiert wird. Indem Trauernde kommunizieren, wie sie angesprochen werden wollen, können sie ihrem Umfeld zeigen, wie diese mit der Situation umgehen können. Rückmeldungen wie «Vielen Dank für deine Anteilnahme» können eine wichtige Form sein, um die erwünschte Unterstützung von Kollegen zu begünstigen.

 

Emotionale Unterstützung

Emotionale Unterstützung für Trauernde kann sich in verschiedenen Formen äussern: durch eine Umarmung oder einen Händedruck, durch einfühlsames Zuhören oder durch das Ausdrücken von Verständnis und Trost. Wenn ein Mensch alle Sicherheiten verliert, die bisher für ihn gegolten haben, ist allein die Anwesenheit eines vertrauten Menschen eine grosse Hilfe. Dies kann heissen, auch dann zuzuhören und für die trauernde Person da zu sein, wenn sie unerfreuliche Dinge erzählt oder das Bedürfnis hat, ihre Erfahrungen immer wieder mitzuteilen. Die emotionale Unterstützung wird positiv erlebt, wenn die trauernde Person spürt, dass ihr Geduld entgegengebracht wird. Wichtig ist auch, dass das Umfeld verlässlich ist und alle persönlichen Informationen vertraulich behandelt werden.

Ermutigung

Der beste Trost beinhaltet häufig wenige Worte. Zentraler ist, der trauernden Person zu zeigen, dass sich jemand um sie kümmert. Dies kann sich in kleinen Gesten äussern, wie z.B. einen Kuchen für sie zu backen, einen Blumenstrauss oder ein tröstendes Gedicht zu schenken.

Für die nahestehenden Personen ist es oft schwer zu ertragen, einen Freund oder Verwandten so verzweifelt zu sehen und sie können daher versucht sein, die Zukunft in einem unrealistisch positiven Licht darzustellen. Die Herausforderung besteht darin, eine Ausgeglichenheit zu finden, sodass die Darstellung der Zukunft glaubwürdig erscheint.

Auch der richtige Zeitpunkt ist wichtig: Es ist möglich, dass es gegenüber den Hinterbliebenen aufdringlich erscheint, wenn zu bald nach dem Todesfall Ermutigung angeboten wird.

Gespräche

Das Verbalisieren des traumatischen Erlebnisses trägt dazu bei, ein gewisses Gefühl von Kontrolle wiederherzustellen. Wenn Hinterbliebene ihren Kummer in einer Gruppe ausdrücken und Geschichten aus dem Leben der verstorbenen Person teilen, kann damit eine Geschichte entworfen werden, die hilft, den Sinnverlust im Leben der Trauernden zu kompensieren. Frauen tun dies öfter als Männer; man vermutet, dass Männer nach einem Verlust länger leiden, weil sie ihre Trauer weniger ausdrücken und damit dem Geschehenen keinen Sinn geben können.

Ratschläge

Erfahrungsgemäss können Personen aus dem Umfeld selten konstruktiven Rat anbieten. Zudem wünschen sich die Trauernden kaum je Ratschläge. Dennoch ist dies die häufigste Form von Unterstützung, die angeboten wird. Es ist wahrscheinlich, dass Menschen, die Ratschläge geben, eher vom Wunsch angetrieben sind, auf ihre eigene Überforderung zu reagieren, als dass sie dies aus dem Gefühl heraus tun, dass es der trauernden Person weiterhelfen könnte.

In gewissen Fällen betrachten Personen, die eine existenzielle Krise erleben, das Erteilen von Ratschlägen auch als eine sehr gute Form von Unterstützung. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Personen, die diese geben, über Wissen auf diesem Gebiet verfügen (Fachpersonen) oder Ähnliches erlebt haben. Dies bedeutet, dass Personen aus dem Umfeld, die gleichzeitig auch Fachleute sind (Fachpersonen aus Medizin, Psychologie, kirchliche Mitarbeitende, die Polizei etc.) oder welche den Verlust einer geliebten Person selbst erlebt haben, Ratschläge erteilen können.

Hinterbliebene wünschen sich manchmal auch praktische Beratung, wie sie sich Hilfe von Fachpersonen holen können und wie sie kompetente Personen oder auch Behörden finden können, um zu Informationen zu kommen (bspw. was die Autopsie oder die Verteilung der Erbschaft betrifft). Ratschläge, die jedoch üblicherweise nicht so willkommen sind, beziehen sich auf den Trauerprozess und die Bewältigungsstrategien. Aufseiten der Trauernden braucht es viel Vertrauen, damit sie solche Ratschläge annehmen können. Eine enge Beziehung ist eine wichtige Bedingung. Die trauernde Person wird den Rat dann nicht als unnötige Einmischung betrachten, sondern als Ausdruck von Mitgefühl und Unterstützung. Das Risiko, dass die Hinterbliebenen verletzt werden, ist kleiner, wenn sie selber es sind, die um Hilfe bitten.

Informationen

In der Regel haben Personen, die einen plötzlichen und unerwarteten Todesfall erlebt haben, ein starkes Bedürfnis nach Informationen. Viele Hinterbliebene möchten so viel wie möglich über die Ereignisse rund um den Todesfall erfahren, insbesondere über die Gründe, die zum Tod geführt haben. Survivors haben das Bedürfnis, zu erfahren, ob ihre Reaktionen auf den Verlust «normal» sind und wie lange diese andauern werden. Erwachsene wollen zudem die Situation ihrer Kinder und deren Reaktionen verstehen und wie sie sie darin unterstützen können. Auch das Bedürfnis, verfügbare Hilfeleistungen zu kennen, ist gross. Telefonanrufe durch Personen aus dem Umfeld an Institutionen (Krankenhäuser, Ärzte, Psychologen, Steueramt, Polizei usw.), um von diesen die notwendigen Informationen zu erhalten, sind daher eine kostbare Unterstützung, welche nahestehende Personen anbieten können.

Unterstützung in der Arbeitsumgebung

Der grösste Wunsch von Menschen, die eine Krise erleben, ist die Rückkehr in die Normalität und in den Alltag. Daher möchten die meisten Trauernden so schnell wie möglich zur Arbeit zurückkehren, weil dies als wichtigster Schritt zurück in den Alltag angesehen wird. Zentral ist, dass gut abgewogen wird, ob es für die Person am besten ist, zur Arbeit zurückzukehren oder ob eher ein «Time Out» eingelegt werden sollte.

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